Samstag, 26. Oktober 2013

Mein Rücken klebt am Boden, wenn alles sich nach oben sehnt.


Du kommst nach Haus, siehst in dein Spiegelbild, siehst nicht dich, bloß eine Bild, mit verwichtem Eyelinerstrich über den nur noch halb so gut getuschten Wimpern, siehst nicht dich, siehst irgendwen anders, siehst nur dieses Halbgute, Halbrichtige, dieses Halbe eben. Suchst den Schlüssel, suchst nach mehr, findest ihn, findest nichts. Fummelst ihn aus der Hosentasche, zitterst mit ihm zu Schloss. Daneben, nicht getroffen, verfehlt. Okay, es klappt. Ein letzter Blick in die Scheibe, in den Spiegel, in das Spiel. Die Tür ist auf. Husten. Eintritt. Deine Füße sind schwer, schwerer als sonst, obwohl alles eigentlich leichter ist, deine Absätze hast du gegen Sneaker eingetauscht, hast Rock durch Jeans ersetzt, bist im Chiller-Feier-Kannst- Essen-Und.-Trinken-Was-Du-Willst-Outfit, aber deine Füße sind schwer, jeder Schritt trägt Gewicht, jeder Muskel verzerrt, verwirrt, erschwert. Das Licht ist an, du schaltest's aus, kennst den Weg hinauf, kennst ihn im Dunkeln, kennst ihn blind, selbst mit so viel Gewicht schaffen's dein Füße herauf. Licht an, das Chaos anschauen, umsehen, umdrehen, Licht aus. Ist besser so. Dunkelheit. Stolperst zu deinem Bett, stolperst eigentlich nicht, denkst aber trotzdem du fällst, was ist los, verkehrt ist die Welt. Dein Anlage ist noch an, die CD läuft. Achja, CDs sind schon was cooles, besser als iTunes, besser als Youtube, CDs sind das wahre, das, wo du noch spürst, den Bass spürst, die Musik spürst, alles spürst. Du willst es spüren, kriechst in die Ecke, drehst ganz auf, egal, ob jemand schläft, egal ob's  and're gibt, du drehst ganz auf, ganz laut, 16, 27, 58, 89, 100. Der Boden zittert, oder bist du's. Nein, der Bass, er wummert, er bebt, er leitet, du schwebst. Dunkelheit aber trotzdem starrst du an die Decke, dort wo die schwarzen Buchstaben auf weißer Tapete stehen, du kannst es nicht lesen, weißt trotzdem, was dort steht, willst nicht schlafen aber auch nicht mehr wach sein. Warum ist es so schwer. Nicht das leben, nicht das Schlafen, nicht das Feiern, nicht das Liegen, nicht deine Füße. Warum ist es so schwer. Husten, der nicht stark genug ist.Nicht genug, der nur bis zum Hals kommt. Das, was hoch muss, ist tiefer. Husten, immer noch nicht. Dein Körper bebt. Dein Hals tut weh. Deine Knochen, dein Fleisch, alles so schwer. Als sei deine Matratze ein Magnet, als sei Sekundenkleber zwischen dir und dem Bett. Dein Körper, gezogen, zerrissen, zwischen  Schwerkraft und Freiheit. Will nach oben, will nach unten, will alles, will nichts. Husten. Aua. Warum ist das so schwer.

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