Dienstag, 19. November 2013

Freedom is an illusion. It always comes at a price. - Jonathan Stroud

Dieses Problem mit der Freiheit und der Bindung. Jeder will frei sein, ich will frei sein, niemand will abhängig sein, ich will nicht abhängig sein. Aber wie kann man frei in seinem denken sein, wenn sich das Denken nur um andere dreht. Wie soll man frei in seinem Handeln sein, wenn alles was man tut auch andere beeinflusst. Wie soll man frei in seinem Aussehen sein, wenn eigentlich doch nur andere einen ansehen. Jeder will frei sein, aber wenn frei sein, frei gelöst von allem, frei von Norm, frei von anderen, frei von Bindungen bedeutet, bedeutet frei sein dann nicht allein sein. Niemals etwas zu stark an sich heran lassen, weil man ansonsten sich davon abhängig macht. Wie soll man frei sein und dabei etwas lieben. Können Liebe und Freiheit nebeneinander leben ohne dass eines der beiden eingeschränkt ist. Wenn du jemanden liebst bist du nicht mehr so frei in deinen Entscheidungen, selbst wenn du dich liebst, schränkt das deine Möglichkeiten ein. Aber wenn so etwas fundamentales dir nicht möglich ist, wenn deine höchste Priorität die Freiheit ist, ist Freiheit dann nicht paradox, weil du dir mit diesem Ideal die Freiheit zu lieben genommen wird. Sie liebt ihn aber sie liebt die Freiheit mehr. Aber er ist eine ihrer Freiheiten. Wird sie glücklich, wenn er sie frei lässt, wenn sie sich frei macht. So Extrema führen doch zu nichts. Sie liebt ihn, er liebt sie, sie verzichtet auf Freiheiten, weil er ihre größte Freiheit ist, weil sie sich mit niemandem freier fühlt, weil Freiheit eigentlich auch nur ein Wort ist, dass ihr niemand erklären kann, weil niemand seine Grenzen kennt, aber Liebe, Liebe kennt sie, für Liebe weiß jeder Worte, zur Liebe fällt jedem etwas ein. Sie hörte auf sich über ihre Freiheiten Gedanken zu machen, denn das Grübeln darüber zwängte sie ein, sie ließ es wie es kam und liebte ihn, denn jeder Gedanke daran ließ sie fliegen.


Mittwoch, 13. November 2013

Everything you can imagine is real. - Pablo Picasso



Grässliches Wetter, den ganzen Tag Nieselregen, zitternde Körper, rote Hände. Ein grauer, wolkenverhangener Himmel, bei dem man ganz genau weiß, ich werde heute Nacht keine Sterne sehen, werde morgen keine Sonne sehen. Aber dann früh morgens wache ich auf, klettere auf den Stuhl, durch mein schräges Fenster, hinauf auf's Haus, setze mich auf den Dachgiebel, ganz an den Rand, an die Stelle wo die Ziegel an die senkrechte, tiefe, steile, Hauswand grenzen und lasse meine Beine baumeln. Da, um diese Zeit, an diesem Ort sehe ich eine andere Welt. Wenn der Himmel so vernebelt ist und die Lichter der Stadt reflektiert beginnt er orange zu leuchten. Die ganze, sonst so bekannte, Welt ist plötzlich in ein anderes Licht getaucht. Eigentlich sieht man nur Dunkelheit, aber wenn du den Auslöser der Kamera drückst, klick - ein ewig langes Klick - entsteht ein riesiger Spannungsmoment. Das Bild leuchtet vom Display auf und du siehst etwas, was du niemals sonst siehst. Weder die Wirklichkeit wie du sie gewohnt bist, noch dieses ungewöhnliche, schöne Bild, das sich vor dir auftut, leuchten dir von dem Bildschirm des kleinen Gerätes entgegen. Komische Kreise, Kreise, die aussehen als seien sie Spuren von Tränen, von Tropfen, als hätte man hellere Punkte an manchen Stellen hinzugefügt, tauchen auf. Ich war mal, vor Jahren, bei einer eigenartigen Frau, deren Bekanntschaft mich nicht unbedingt bereichert hat, aber von welcher ich ein Kommentar nie vergessen habe. Diese Punkte die man manchmal, besonders im dunkeln, auf Fotos sieht, sie sollen angeblich "Lichtwesen" sein, Geister die einen Begleitung und je mehr Geister ein Mensch mit sich trägt desto befähigter solle er sein. Naja, wer's glauben mag. Auch, wenn mich diese Wörter "Geister" und "Lichtwesen an den Esoterik-kram meiner komischen Tante erinnern und deswegen grundsätzlich eine Abneigung in mir hervorrufen, bin ich dennoch fasziniert von dem Gedanken, dass da etwas herumschwirrt, was man unter keinen Umständen sehen kann, aber das dann von einer Kamera, mit dem Blitz gefangen und auf dem Foto festgehalten wird. Nicht in dem Sinne, dass man etwas, was niemand sehen kann und soll nun für sich eingesperrt halten kann, viel mehr, dass man etwas, worüber jeder sagt es sei Schwachsinn, durch ein anderes, ein zweites - oder drittes ? - Auge erkennen kann... Es fängt wieder an zu regnen, ich verwerfe den Gedanken und klettere wieder in mein Zimmer.




Samstag, 9. November 2013

Nur ein Traum.



Manchmal träumte sie von einem Ort, fern ab von dem, was ist, von dem was einmal nicht war. Ein Ort, an dem Erde und Firmament verschmelzen und sie gemeinsam in die Unendlichkeit ragen. Wo keine Spuren einer Stadt, eines Hauses oder eines Mensches zu finden sind. Wo der Fortschritt und diese banalen, eingefahrenen und unausweichlichen Ideale der Bevölkerung noch nicht zu spüren sind. Es zog sie in die Wildnis. Aber was ist denn noch wild in einer Welt, in der man versucht alles zu zähmen. In der man jeden Quadratzentimeter geographisch bestimmen können muss. In der man jedes Naturphänomen, mit all seiner Magie, die es ausmacht, auseinander nehmen, untersuchen, und erklären können muss. In der man niemals mit der Gegenwart, mit dem Jetzt, zufrieden sein kann und sich sämtliches Denken bloß in die Zukunft richtet. Ich möchte fort, war ihr Gedanke. Dorthin, wo kein Ende zu existieren scheint, dorthin, wo selbst die Nacht ihr noch genug Wärme spendet, dorthin, wo sie nichts anderes als Sterne über sich und die endlosen Weiten der Natur um sich habe. Ich möchte dort liegen, ins Universum sehen und  spüren können, dass es richtig ist. Nicht den Drang haben anders - besser - zu sein. Ich möchte die Sternschnuppen ansehen und mir nichts wünschen, einfach weil ich keinen Wunsch habe. Stattdessen möchte ich sie einfach nur genießen, nur für mich und nur für diesen Bruchteil eines Augenblicks.Aber einsam sein möchte ich nicht. Abgeschieden von der Menschheit, ja - aber zu zweit. Mit dem ihm, mit dem ich gemeinsam allein sein kann. Neben dem ich schweigend liegen, sitzen, stehen, gehen und trotzdem verstehen und verstanden werde kann. Ich möchte in meine Unendlichkeit - den Ort ohne Raum und Zeit. Dort wo die Wildnis zahm und der Himmel nur noch ein Fleck ist. Und sie schlief wieder ein, denn es war spät und es war dunkel, und es war ja doch nicht zu ändern.