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Mittwoch, 26. Februar 2014

Ungewohnt Vertraut



In einem kurzen Moment, in dem es mal still ist, wo weder vom Rücksitz, noch von der Fahrerseite Wort, die zu einer Unterhaltung, die teils wirklich dem Interesse, teils aber auch nur der Vorbeugung des Nichtssagen dient, gehören, kommen; in diesem Moment erschleicht sich überhaupt erst eine Vorahnung, von dem, worin sie sich gerade befindet, in ihre Gedanken. Auf dem Rückweg, zurück zu dem was gewesen ist, lange gewesen ist, womöglich jetzt lang genug gewesen war. Hin kam sie mit ihr, im Zug, mit Ungewissheit, zurück kommt sie mit ihnen, im Auto, mit Ungewissheit. Egal an welchen Augenblick des heutigen Tages sie sich zurück erinnert, die Ungewissheit blieb ein ständiger Schatten, eine Frage, die sie nie beantworten konnte. Wie geht es weiter? Die Lichter der Entgegenkommenden, der Vorbeirauschenden, die Reflektionen im Schnee, in den Verkehrsschildern und die plötzlich laut werdende Musik holen sie aus dem Gedanken an das, was folgt, heraus.
Wo sie schon tausendfach gestanden, Bretter über die sie tausendfach gegangen, Bäume, die sie tausendfach gesehen hatte, hatten sich nicht verändert, so lange war sie dort nicht mehr gewesen, so lang. Vor ungefähr genau 698 Tagen, vielleicht auch mehr, vielleicht auch weniger, war sie hier und alles anders gewesen. Wie viel kann sich in einem Leben ändern, wie viel entscheidet man selbst, an wie vielem kann man nichts ändern. Doch das, das war eine Entscheidung von ihr, ein bewusster Entschluss gewesen. Und es war gut so, es war richtig, was sie getan hatte, vielleicht nicht wie sie damit umgegangen, wie sie ihn behandelt, wie sie es anderen erklärt hatte, aber es war richtig, dass es so gekommen ist. Seltsam, aber gut. Seltsam war es wie beinahe 2 Jahr ihres Lebens vergangen sind und sich so vieles verändert hat, Veränderung sich aber vertraut anfühlt. Vertrautheit ist das perfekteste Wort, das ihr für das Gefühl, das sie neben dieser Ungewissheit begleitet, einfällt. Im eigentlichen Sinne war sie mit nichts vertraut, ein neues Haus, neues Alter, neuer Tag, neuer Hund, neuer Job, neue Worte, eigentlich ein neues Leben. Sie konnten sich in den wenigen Stunden nicht einmal annähernd erzählen, was sich genau verändert hatte. Er hatte sich veränder, das war deutlich zu spüren. Wie auch die restlichen bekannten Gesichter mit der Zeit neue geworden waren. Dennoch, an dieser Vertrautheit durch all die Zeit, all die Unterschiede, all das Erlebte hindurch ist nicht zu zweifeln. Das spürte sie. "Es ist wirklich schön, dass du gekommen bist...Lass nicht wieder Jahre auf dich warten bis zum nächsten mal!". Sie ist angekommen, dort, von wo aus sie weggegangen ist, zurück zu dem, wo sie bereits vor Zeiten gewesen war. Ein kurzer aber ernst gemeint herzlicher Abschied vom einen, bevor ihr vom anderen die Tür geöffnet wird, von dem der beiden, der sie die Einfahrt hinauf, um die Ecke, bis zur Haustür begleitet. Ungewohnt vertraut umarmt er sie und flüstert um nicht zu viel zu wagen, um nicht die Stille, die die Nacht mit sich bringt, zu deutlich zu unterbrechen, um nicht die Bedeutung dieser Wörter zu verschwenden, was er täte, wenn er sie zu laut hinaus schrie, wodurch sie sich in der Ferne verlieren und in dieser Nähe keinen Anhalt finden könnten: "Du bist immer willkommen."
"Danke, das ist echt nett.", sagt sie, als sei es bloß eine dieser üblichen Abschiedsfloskeln, wobei sie es sehr wohl versteht. Willkommen nutzt man als Begrüßung, als eine Art Hallo; Schön, dass du da bist oder dergleichen. Sie versteht, was er sagen will. Dieses immer willkommen war eine Einladung, dazu sich auf ein neues zu begegnen, hallo zu sagen und sich wieder und wieder kennen zu lernen. Vom Neuen auf's Neue auf's Neue, wenn es denn nötig wäre. Verrückt, wie die gleiche Zusammenstellung von Buchstabend, Wörtern immer und immer wieder etwas anderes bedeuten kann. Wie ein Satz, böse oder genervt oder süß oder lieb oder herzlich und vieles mehr wirken kann, selbst wenn er von der selben Person gesprochen wird. Haben Wörter überhaupt eine Bedeutung, wenn ihr Verwendung immer eine andere ist. Hat das was wir sagen überhaupt eine Bedeutung. Oder haben nur wir Bedeutung und Wörter sind einfach nur so etwas Wie Google Translate, etwas, das etwas in eine andere Sprache umsetzt. Unsere Absichten, Gefühle, Gedanken in Laute übersetzt. Wie bei Google, kommt manchmal auch das falsche Ergebnis raus. Aber das passiert. Sie weiß nicht genau worin die Bedeutung lag oder was genau sie übermittelt, aber sie versteht. Statt Tschö oder Gute Nacht oder Mach's gut zu sagen, geht sie ein paar Schritte zurück, versteckt sich ein wenig hinter der schon halb geschlossenen Tür, sieht ihn an und meint "Bis dann.". Er versteht und geht.  

Montag, 7. Oktober 2013

Ordner zu. Ordnung da.

 

Sie standen zu fünft im Kreis an der Haltestelle. Ein kleiner Kreis inmitten von vielen anderen, rund um die Einbuchtung, in der die Busse hielten, die sie alle zu unterschiedlichen Orten brachten. Es wurde kalt, die Blätter fielen im Wind hinunter, der Sommer war vorüber, aber niemand glaubte das wirklich, wollte das glauben, niemand zog sich warm genug an und  sie alle froren. Eine der fünf war sie. Sie kannte die vier anderen, also nicht wirklich, aber flüchtig, sah sie oft, hatte mit niemandem was zu tun, aber mit ihnen immer noch mehr als mit allen anderen, die dort standen und alleine stehen wollte sie doch auch nicht. Die Rothaarige redete mit dem Kleinen mit der Brille über Physik und die Lehrerin, die aussah wie eine Schülerin. Der Große mit der kleinen Nase redete mit Ben, wahrscheinlich hieß Ben in Wirklichkeit Benjamin, aber das wusste sie nicht, es war bloß eine Vermutung. Immerhin wusste sie seinen Namen, im Gegensatz zu denen der anderen. Sie konnte sich gar nicht mehr daran erinnern woher sie ihn kannte, aber sie war sich sicher, dass er so hieß. Mal hörte sie bei dem Gespräch zu, mal bei einem anderen, doch mitreden wollte sie nicht.  Wenn ihr Blick vorher ziellos durch die Runde geschwiffen, durch die Lücken zwischen den Köpfen ins Leere und über die Menschen hinaus gerichtet war, so hielt er jetzt an Ben fest. Noch nie hatte sie ihn genauer angesehen. Im gleichen Moment fragte sie sich warum. Eigentlich war er doch ganz okay. Also vom Äußeren her,  mehr  kannte  sie noch nicht von ihm. Diese kleinen Bewegungen, die er mit seiner Hand am Gurt seiner Tasche machte, irgendwie fesselten sie sie. Eine ganze Weile hörte sie nirgends mehr zu und schaute nur diesen kleinen Zuckungen seiner langen, knochigen, aber dennoch starken Finger über das feste schwarze Band, an dessen Ende  all seine Bücher, Notizen, sein Kalender, sein Ausweis, an dem einfach alles hing, zu. Bis sie begriff, dass sie diese Handbewegungen kannte, von den Videos der Musiker, die sie liebte. Er spielte Gitarre auf seiner Tasche. Schnell und bestimmt spielte er in echt auch, dachte sie sich. Da begann sie erst den Rest seines Körpers wahrzunehmen. Die eingefallenen dunklen Augen, die großen Ohren, die hellbraunen kurzen Haare. Sie  erinnerte sich: damals, als er auf ihre Schule kam, waren sie noch lang gewesen, wie bei allen Jungs, abgesehen von vereinzelten Ausnahmen, zu der Zeit. Ihr Blick glitt zu den breiten Schultern, den anderen Arm hinunter, bis zur anderen Hand.  Er hielt einen schwarzen Ordner in ihr. So einen ganz normalen, dunklen, dicken Ordner, wie ihn fast jeder Dritte hier hatte. Aber er hielt ihn anders, fester, er trommelte zwar mit seinen Fingerkuppen einen ihr unbekannten Rhythmus, mit einer  Selbstverständlichkeit, die keine Taktfehler zuließ, auf die Rückseite, doch es war Härter als das Gitarrenspiel am Gurt. Jeder Schlag war hart und präzise und es kam ihr so vor als ob jedes Mal ein Vorhängeschloss zufiel, wenn er einen seiner Finger auf die harte Pappe fallen ließ.  Der Ordner schien vollgestopft mit Papieren zu sein, chaotisch eingeheftet, die Blätter allesamt mit diesen kleinen Papierüberresten vom Kollegeblock noch am Rand. War ein Ordner nicht dazu da um Ordnung zu halten, ging ihr durch den Kopf. Fest verschlossen, sodass ihn von außen niemand öffnen kann. Nur um die Undordnung  die dahinter steckte, nicht preisgeben zu müssen.  „Ben? Kommst du mit? Der Bus ist da.“ Tönte von weiter hinten eine Mädchenstimme. Ben antwortete  „Ja sofort. Warte kurz.“ Wieder dem Großen zugewandt meinte er „Naja bis morgen, dann werden wir ja sehen ob sie mal pünktlich den Unterricht beendet oder nicht“. Ben lief zum Bus, bekam ihn noch und verlor im Laufen eines der Blätter, das sich aus seinem Ordner gelöst hatte und unbemerkt auf den Bordstein fiel. 



Mittwoch, 2. Oktober 2013

Bummelbahn.



Sie saß am Bahngleis, 6 Minuten noch bis die Bahn die sie nach Hause brachte, eintrudelte. Die Hektik der Menschenmassen mal außer Acht gelassen, war es ruhig und ihre Gedanken schweiften im Geräusch der befuhrenen Gleisen ab.
Züge sind wie wir. Es gibt einen Anfang und ein Ende, einen Start und ein Ziel. 
Jeder Zug tritt seine eigene Reise an, fährt auf seinen eigenen Gleisen und hat irgendwann seine eigene Endstation. An Bahnhöfen, Stationen unseres Lebens, machen wir Halt, laden unsere alten Laster 
aus und nehme neue Eindrücke auf, unsere Passagiere wechseln und wir kommen mit anderen Zügen in Kontakt. Manchen Zügen werden weitere Wagons angehangen, die gemeinsam mit ihnen der Rest der Reise bestreiten oder eben irgendwo wieder abgehangen werden. Die Fahrgäste die unsere Räume füllen, die sind das Ich eines jeden Zuges, der Charakter. Wenn jemand ein- oder aussteigt verändern wir uns. An keiner unserer Stationen kommen wir zwei mal vorbei und an keinem Halt sind wir die selben. Wir lernen, wir wachsen, wir reifen, wir nutzen ab. Wir kommen unserer Endstation näher.
Es gibt Schnellzüge und Bummelbahnen. Schnellzüge kennen ihr Ziel von Anfang an, rasen durch das Land des Leben und erreichen mit wenigen Haltestellen ihr Ziel. Die Bummelbahn hingegen wechselt oft ihr Inneres, nimmt viel auf und lässt viel zurück, trifft an jedem Bahnhof neue Züge, von denen manche sie ein Stück lang parallel begleiten und manche nur einmalige Begegnungen sind.  Eine Bummelbahn hat wahrscheinlich genau so viel Platz für Fahrgäste wie ein Schnellzug, aber sie wechselt sich viel öfter aus. Manche steigen ein und verlassen die Bahn direkt wieder am nächsten Halt. Andere bleiben vom Start an bis ans Ziel sitzen.
Eine weitere Parallele zwischen uns und Zügen ist unser Äußeres, wir haben beide ein Äußeres. Züge behalten ihr Erscheinungsbild in der Regel, aber auch sie können von Unfällen und ihrer Umgebung geprägt sein. Ein Mensch trägt Narben von einer Prügelei - ein Zug eine Schramme. Ein Mensch bekommt Brandwunden - ein Zug bekommt Graffitis. Ein Mensch hat einen Autounfall und verliert sein Augenlicht - ein Zug wird zum Tatort eines Terroranschlags und verliert nicht nur viele seiner Seelenstückchen, sondern auch seine zerschlagenen Fenster zerfallen in Scherben. Züge sind wie wir und  wenn ich ein Zug wäre, wäre ich eine Bummelbahn. 



Freitag, 23. August 2013

Alles eine Frage der Programmierung.

Wisst ihr, ich habe letztes Jahr Informatik dazu gewählt und das erste, was ich dort gelernt habe war, dass Computer dumm sind! Alles, was sie können, haben wir ihnen beigebracht und sie kennen nur eine einzige Sprache die zwei Befehle enthält „Strom-an“ oder „Strom-aus“ , ja oder nein, 0 oder 1, mehr nicht. Alles, was sie daraus machen ist Programmierungssache, davon abhängig, wie man sie eingestellt hat.
Aber mit folgendem Gedanken bin ich heute aufgewacht „ Menschen sind auch nur wie Computer!“, es gibt ganz genau zwei Entscheidungsmöglichkeiten im Leben, niemals weniger aber auch niemals mehr. Entweder ja oder nein, man tut etwas oder man tut etwas nicht. Daraus, aus diesen Millionen von „kleinen“ Ja-oder-Nein-Entscheidungen besteht unser Leben, unser Ich, daraus bilden sich Charakter und Zukunft, jedes Mal aufs Neue.
Der einzige Unterschied zwischen mir und einem Computer ist, dass der Computer zu Beginn seiner Programmierung alles, wirklich alles vorgegeben bekommt, jede seiner Entscheidung „Strom-an“ oder „Strom-aus“ wird vom Programmierer genauestens vorgegeben und ist er erstmal auf dem Markt bleibt er genau so wie er herausgegeben wurde. Ich allerdings bin mein eigener Programmierer und habe zwar zu Beginn ein paar Einstellungen und ein gewisses Maß an Zubehör mitbekommen, aber ich werde mein ganzes Leben lang in meiner eigenen Programmierung stecken, denn mit jeder Ja-oder-Nein-Entscheidung verändern sich meine Einstellungen.
Das einzige was wahrscheinlich weder Ich noch ein Computer beeinflussen können ist die aller letzte Entscheidung. Sterben & beenden oder Leben& weitermachen. Wir wie auch jeder Computer haben nur eine gewisse Garantie, eine ungefähre Zeitspanne von der man ausgeht, dass man sie überlebt, ohne genaues Sterbedatum.
Also alles, was ich heute morgen dachte war, wir sind alle wie Computer aber gleichzeitig unsere eigenen Programmierer, also los programmiert euch so oft ihr könnt von neuem, und überdenkt jede einzelne Ja-oder-Nein-Entscheidung, denn sie beeinflusst euer ganzes System , entscheidet bevor euch jemand die letzte Entscheidung abnimmt.

Ich bin jetzt im Urlaub, also bis in einer Woche ! 
xxx

Samstag, 3. August 2013

50/50 Chance zum glücklich sein

Die Dinge kommen nicht zurück. Nichts wird wie es war. Dinge passieren nicht zwei mal genau gleich. Ich bin wohl nicht die erste, der das auffällt, nicht die erst die darüber schreibt, aber wahrscheinlich auch nicht die letzte. Und genau so ist es mit den guten Dingen, die nie wieder kommen. Du wirst sie niemals wieder erleben, aber das heißt ja nicht dass du nicht weiterhin Gutes erfahren wirst. Alles kommt und geht, ist ständig im Wandel und die meisten Menschen, so scheint mir, haben Angst vor Veränderungen. Mich eingeschlossen. Ich wollte immer beides das gute alte mit dem neuen Träumen in Verbindung und vergesse dabei zu häufig dass alles alles verändert. Egal welche Kleinigkeit umgerüttelt wird, alles andere wird mit in den Strudel der Wandlung gezogen, ob du willst oder nicht. Das neue frisst sozusagen alles alte auf und entweder kommt eine gute oder eine schlechte Mischung raus. Ich bin mir noch nicht klar darüber, ob ich diese Entwicklung beeinflussen kann oder es einfach so hinnehmen sollte. Aber ich weiß, oder glaube zu wissen, dass es sich nicht lohnt sich an schönen Dingen festzuklammern und alles daran zu setzen diese zu erhalten, wenn alles drumherum sich transformiert. Vielleicht muss ich loslassen um heraus finden zu können, ob etwas gutes dabei rumkommen kann. Eins steht fest, wenn ich nicht loslasse kommt 'ne schlechte Mischung raus, die weder der Vergangenheit noch der Gegenwart das Wasser reichen kann und sicherlich kein guter Weg in die Zukunft ist. Mit ein bisschen Ungewissheit und Vertrauen, einer stützenden Person, die dich während dieser Zeit der unbeschriebenen Blätter nicht alleine lässt, gibt es zumindest eine 50/50 Chance zufrieden zu sein. Wünscht mir ein bisschen Glück, dass ich diese Gedanken nicht morgen schon wieder vergessen habe und sie vielleicht sogar umsetze.